18.08.2026
Abflüsse in der Spree sinken weiter – Arbeitsgruppe beschließt weitere Maßnahmen
Phase 2 des Niedrigwasserbewirtschaftungskonzeptes ausgerufen
Die hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen und die ausbleibenden Niederschläge haben die wasserwirtschaftliche Situation im Süden Brandenburgs weiter verschärft. Die erforderlichen Mindestabflüsse können in der Spree nicht mehr gehalten werden und die fehlenden Wasserreserven in den Speichern erfordern zusätzliche Maßnahmen zur Abflussstabilisierung im mittleren Spreegebiet. Abstimmungen zwischen dem Landesamt für Umwelt sowie den zuständigen unteren Wasserbehörden und den Gewässerunterhaltungsverbänden laufen.
Seit 2025 sind die Niederschläge im Einzugsgebiet der Spree deutlich zu gering ausgefallen. Vor allem im oberen Einzugsgebiet wurden mitunter nur 70 Prozent der für den Jahreszeitraum typischen Niederschlagsmenge gemessen. Als Beispiel ist hier die DWD-Wetterstation in Kubschütz bei Bautzen zu nennen. Aus diesem Grund waren die Abflüsse in der Spree – vor allem in den Frühjahrsmonaten – so gering, dass die Talsperren und Speicher im oberen Einzugsgebiet bis Ende April im Mittel nur zu 50 Prozent gefüllt waren. Der Zielwasserstand der Talsperre Spremberg konnte hingegen erreicht werden. Die Stützungsmaßnahmen des mittleren Spreegebietes wurden entsprechend der oben genannten Randbedingungen regelmäßig angepasst. Aufgrund der sehr geringen Zuflüsse sank der Wasserstand der Talsperre Spremberg mehrere Zentimeter pro Tag.
Der Mindestabfluss am Pegel Leibsch Unterpegel von 4,5 Kubikmetern pro Sekunde ist bereits seit Ende Mai dauerhaft unterschritten. Seitdem gingen die Abflüsse weiter zurück, so dass am Pegel Leibsch Unterpegel kurzfristig auch Abflüsse unter 2,0 Kubikmeter pro Sekunde gemessen wurden.
Deshalb trat die Arbeitsgruppe Niedrigwasserbewirtschaftung, in der neben dem Landesamt für Umwelt (LfU) auch Vertreter der zuständigen unteren Wasserbehörden und der Gewässerunterhaltungsverbände vertreten sind, bereits Ende Mai zusammen und stimmte sich über das weitere Vorgehen zur Abflussstabilisierung im mittleren Spreegebiet ab. In dessen Ergebnis wurde die Phase 1 des Niedrigwasserbewirtschaftungskonzeptes (https://mleuv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Niedrigwasserkonzept-Mittlere-Spree.pdf ) ausgerufen und die entsprechenden Maßnahmen zum 01. Juni 2026 umgesetzt.
Die bereits seit Wochen angespannte wasserwirtschaftliche Situation hat sich aufgrund der sehr warmen Temperaturen und der ausbleibenden Niederschläge sowie der eingeschränkten Stützungsmöglichkeiten durch die Talsperre Spremberg weiter verschärft: Aktuell fließen am Pegel Leibsch Unterpegel nur noch 1,4 Kubikmeter pro Sekunde (Stand: 17.08.2026). Aus diesem Grund hat das Landesamt für Umwelt Ende der letzten Woche die Phase 2 des Niedrigwasserbewirtschaftungskonzeptes ausgerufen. Die damit umgesetzten Maßnahmen umfassen unter anderem die Reduzierung von Ausleitungen aus der Spree sowie die Vorbereitung eines Verbots von Oberflächenwasserentnahmen (Eigentümer- und Anliegergebrauch) im Gebiet.
Einzelne Niederschläge im Gebiet führen nur kurzfristig zu einer Stabilisierung der Abflüsse. Für diese Woche sind deutlich kühlere Temperaturen und weiterhin einzelne Niederschläge vorhergesagt. Dennoch stuft das Landesamt für Umwelt die wasserwirtschaftliche Situation im Einzugsgebiet der Spree weiterhin als angespannt ein. Deshalb trat gestern die Arbeitsgruppe Niedrigwasserbewirtschaftung erneut zusammen und stimmte sich zum weiteren Handeln ab.
Als Ergebnis dieser Beratung wurde vereinbart, einzelne Schleusen im Unterspreewald (Schleuse Krausnicker Strom, Groß Wasserburg und Beginn Dahme-Umflut-Kanal) zu schließen. Darüber hinaus wird begonnen, schrittweise und behutsam die Wasserstände der Staugürtel abzusenken. Im Unterspreewald wird mit der Anpassung der Wasserstände begonnen und in Richtung Schmogrow fortgesetzt. Ziel ist es, den Abfluss am Pegel Leibsch Unterpegel in einem Korridor zwischen 2,0 bis 2,5 Kubikmeter pro Sekunde zu halten.
Hintergrund:
In der regionalen Arbeitsgruppe Niedrigwasserbewirtschaftung wird das flussgebietsbezogene Niedrigwassermanagement für das mittlere Spreegebiet in Brandenburg organisiert. Die regional Zuständigen für die Wasserwirtschaft treffen hier unter Beteiligung von Kommunen, Landwirten, Fischerei, Forstwirtschaft, Naturschutz und der Öffentlichkeit Festlegungen zur Wassersteuerung der Spree. Als Grundlage hierfür dient das Konzept zur Wasserbewirtschaftung im mittleren Spreegebiet in Niedrigwasserverhältnissen (https://mleuv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Niedrigwasserkonzept-Mittlere-Spree.pdf ). Die Maßnahmen unterstützen die länderübergreifend getroffenen Festlegungen und Maßnahmen.
In der länderübergreifenden Arbeitsgruppe Flussgebietsbewirtschaftung für Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße (AG FGB) sind die für die Wasserwirtschaft zuständigen Ministerien und Behörden aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) als Bergbausanierer und den Bergbautreibenden LEAG vertreten. Hier werden die allgemeinen Randbedingungen zur länderübergreifenden Bewirtschaftung der Spree und Schwarzen Elster erarbeitet, abgestimmt und entsprechend umgesetzt.
Länderübergreifende Festlegungen trifft auch eine Ad-hoc-Sonderarbeitsgruppe der AG FGB, die ins Leben gerufen wird, wenn ein Handeln außerhalb der grundlegend abgestimmten Bewirtschaftungsregeln für die Lausitzer Flüsse erforderlich wird. So werden in der Arbeitsgruppe unter anderem Maßnahmen zur Beherrschung der Niedrigwassersituation getroffen.
Die Ad-hoc-AG als auch die AG Niedrigwasserbewirtschaftung verfolgen das Ziel, die Abflüsse der Spree unter extremen Niedrigwassersituationen zu stabilisieren.